Monday, 15 of March of 2010

Tag » Sprache

Weltreligion? Wieso unbedingt Weltreligion? Und 20 Sprachen?

In einem Blogeintrag habe ich erklärt, wieso ich Laufen für eine Religion halte und wieso ich diese Religion mit sozialen Medien verbreiten möchte. Aber wieso denn unbedingt in die ganze Welt? Reicht es nicht vor meiner Haustür, entweder zu Hause in München oder in meinem Heimatland Finnland?

Der Grund hat mit meinem Interesse für andere Länder, Kulturen und Sprachen zu tun. Durch meine Arbeit habe ich besonders im Vorjahr viel gereist, als Botschafter für das Produkt meines ehemaligen Arbeitgebers. Als ich diese Aufgabe bekam, hatte ich mich dazu entschieden, während meinen Reisen die fünf ersten Minuten meiner Vorträge in (einer) der Landessprache(n) zu halten. Dies habe ich auch getan. Es fing mit Italienisch an; von allen Sprachen, die ich nicht spreche, spreche ich Italienisch am allerbesten. Danach kam Japanisch (schwedische Laute, finnische Staccato). Nachdem ich mich vor einem Publikum auf Chinesisch einigermaßen verständlich machen konnte, habe ich den Respekt vor der Schwierigkeit anderer Sprachen verloren; seitdem habe ich Russisch, Türkisch, Spanisch, Portugiesisch, Tschechisch, Estnisch, Lettisch und Litauisch zur Liste hinzugefügt. Den Respekt vor dem Wert anderer Sprachen ist dahingegen bei mir gewaltig gewachsen. Die Welt wird nicht dadurch besser, dass alle sich nur auf Englisch unterhalten.

Dass zusätzliche Sprachen auch Kosten mit sich bringen, ist klar. Ich kann also nicht alles auf allen Sprachen zur Verfügung stellen. Also werde ich hauptsächlich die Sprachen benutzen, die ich am besten kann bzw. in denen ich die meisten Kontakte habe. Da kommt an erster Stelle Schwedisch, meine Muttersprache und mein Verbindungsgelenk zur Familie, Freunden und Bekannten in Finnland (und Schweden). An zweiter Stelle kommt Deutsch, da ich seit drei Jahren in München lebe und eine deutsche Frau geheiratet habe (dies allerdings schon vor 17 Jahren). An dritter Stelle kommt Englisch, als Lingua franca für alle Freunde und Bekannte die weder Schwedisch noch Deutsch verstehen.

Aus Spaß an der Freude habe ich mir dann noch überlegt, wie der Runnismus in anderen Sprachen heißen soll. Hier habe ich mich auf die Sprachen Europas konzentriert, mit Chinesisch (蘭主义) und Japanisch (ラニズム) als fernöstliche Gewürze dazu. Ich kam auf eine Liste von zwanzig Sprachen, wo es zu einem oder anderen Tweet kommen kann. In der Übersetzung des Runnismus habe ich die Analogie zum Buddhismus gewählt. Beispielsweise heißt Runnismus auf Finnisch Runnilaisuus (weil Buddhalaisuus), auf Kroatisch Runizam (Budizam), auf Russisch Руннизм (Буддизм), auf Italienisch Runnismo (Buddhismo) und auf Litauisch Runizmas (Budizmas).

Also: Weltreligion, weil das Laufen allen gut tut und weil Laufen uns als Menschen über Landesgrenzen und Sprachen hinaus verbindet. Und zwanzig Sprachen, weil ich es als ein Zeichen von Respekt empfinde, die Sprache des Gegenübers zu benutzen.


Karrierefalle Internet: Angeblich erste Kritik auf Englisch?

Anscheinend habe ich die erste Kritik von “Karrierefalle Internet” auf Englisch geschrieben. Hier zur Wiederholung auf Deutsch:

Lesen Sie Deutsch (Na ja, diese Frage ist gerade auf diesem Blog eher wenig sinnvoll)? Dann habe ich zwei Empfehlungen für Sie.

Erstens, lesen Sie dieses frische Interview mit dem Social-Networking-Guru Klaus Eck. Es geht um einen “lebenslangen Bewerbungsprozess”.

Zweitens, lesen Sie das Buch “Karrierefalle Internet” von Klaus Eck. Darum geht’s im Interview.

Klaus Ecks Hauptaussage ist “Managen Sie Ihre Online-Reputation, bevor andere es tun“. Persönlich hätte ich lieber eine positive, weniger bedrohliche Überschrift gewählt, aber der Autor begründet seine Wahl mit diesen Worten:

Ich hab es zugespitzt auf den Begriff “Karrierefalle Internet”, weil ich in den vergangenen Jahren in meinen Workshops immer wieder erleben musste, dass viele Menschen immer noch viel Angst vor dem Internet haben. Bevor ich etwas falsch mache, lasse ich es lieber ganz bleiben. Dabei sollten die Menschen eher davor Angst haben, nichts zu tun.

Ich hätte gedacht, der Titel wäre kaufabschreckend (”Ich möchte Internet meiden, denn es ist eine Falle”) aber anscheinend ist Angst (”Ich möchte nicht in die Internet-Falle tappen, also kaufe ich das Buch”) ein Verkaufsargument. Schließlich könnte das ja auch der Grund sein, wieso ich das Buch gekauft habe. Ich habe das Buch nur zufällig im 5. Stock vom Hugendubel in München gesehen, und wurde neugierig.

Was die Empfehlungen und die Anregungen des Buches anbelangt, kann ich nur noch zustimmen. Klaus Eck hat einleuchtende Vorschläge und eine einwandfreie Logik. Als Nicht-Deutscher fällt mir jedoch die Sprache auf. Ich lese aus mehreren Gründen lieber auf Deutsch als auf Englisch (”es gibt im Leben zuviel Englisch” ist eins davon, “Englischsprachige Autoren gehen von einem Amipublikum aus und ich bin Europäer” ein anderer). Da Deutsch daher eine Art Erholung bietet, finde ich es jedesmal schade, wenn Wörter benutzt werden, die mir “undeutsch” erscheinen. Für das schwedische Wort “Rykte” habe ich die deutsche Übersetzung “Ruf” in der Schule in Finnland gelernt. Was ist daran falsch? Wieso muss es jetzt auf einmal “Reputation” heißen? So ein Wort erscheint mir noch unnötiger als “Management”. Mir wäre es lieber gewesen mit “Pflegen Sie Ihren Ruf” als “Managen Sie Ihre Reputation”, aber was soll’s, heutzutage verkauft wohl Englisch.

Vielleicht überschatten jetzt meine sprachliche Kommentare das Bild, denn meine Auffassung vom Buch ist überaus positiv. Klaus Eck hat über fast alles nachgedacht, die ich mir vorher nicht überlegt hatte, und zu weit über 90% teile ich seine Meinung. Jedoch habe ich eine andere Ansicht zum Thema mehrsprachige Web-Anwesenheit. Er scheint mehrere sprachlich getrennte Webpräsenzen zu empfehlen. Aber für alle ist das sprachliche Leben nicht so leicht trennbar. Das Netz sollte das wirkliche Leben abspiegeln. Für Twitter, Facebook, LinkedIn oder sonstige Netzmedien bedeutet dies: Wenn Ihr normales Leben mehrsprachig ist, dann sollte Ihr Netzleben es auch sein. Ich spreche im Leben hauptsächlich Schwedisch, aber auch viel Deutsch und Englisch — und mache daraus kein Geheimnis. Ich schäme mich nicht davor. Ich versuche die für die Gelegenheit richtige Sprache zu wählen, aber manchmal kann es schon sein, dass ich in einer Sprache rede, die alle in meiner Umgebung nicht verstehen. Davon müssen die Leute, die mein Twittern folgen auch ausgehen: Schwedisch, Bad English, schlechtes Deutsch, gemischt mit noch einigen anderen Sprachen. Und das ist gut so. Meine Blogs auf kaj.arno.fi habe ich sprachlich getrennt, denn das geht leicht, aber getrenntes Twittern oder getrennte Facebook-Konten, das geht nicht so leicht.

Zum Schluss möche ich mich bei Klaus Eck ganz herzlich bedanken, denn seine Inspiration war ausschlaggebend für meine Blogeinträge wo ich “meine Erfahrungen über meine Versuche, meine Online-Gepflogenheiten zu verbessern, teile”. Bisher habe ich drei Berichte geschrieben, über Dopplr, Picasa Web und Facebook. Mit der Zeit kommen noch welche!

Bitte, bitte! Gern geschehen!