Liebe Lufthansa, worauf sollte ich mich einstellen?
Redwood Shores, den 16.4.2010
Liebe Lufthansa,
es ist nicht Euer Vulkan. Ich war deshalb positiv überrascht, nachdem LH459 SFO-MUC gestern (Donnerstag 15.4.2010) annulliert wurde, dass Ihr letzte Nacht meine Hotelkosten übernommen habt. Ich bin auch dankbar, dass Eure Prioritätenreihenfolge richtig ist: 1. Sicherheit, 2. Pünktlichkeit, 3. Service, 4. Alles andere. Genau nach meinem Geschmack. Ich fliege sehr gerne Lufthansa, vor allem wenn ich den Atlantik überqueren muss.
Ich verstehe auch, dass die jetzige Situation wegen Eyjafjallajökull sehr belastend und unvorhersehbar für Euch ist. Ich beneide Euch nicht!
Aber trotzdem.
Unter normalen Umständen werde ich Eurerseits von Informationen überhäuft. Eindeutig mehr als unbedingt sein muss. Jetzt bekomme ich aber weitaus weniger Nachrichten von Euch, als ich gerne hätte.
Ich erwarte ja keine guten Nachrichten. Wie gesagt, es ist ja nicht Euer Vulkan. Ihr könnt nichts dafür. Ich möchte aber wissen, worauf ich mich einstellen soll.
Zum Thema Eyjafjallajökull habe ich von Euch insgesamt nur eine einzige automatische Mitteilung erhalten:
- “Ihr Flug LH459 SFO-MUC 15Apr 21:00 wurde leider annulliert! Für weitere Informationen rufen Sie bitte an: +491803xxxxx.”
Den Rest habe ich auf Umwege erfahren, erst durch eine schlecht hörbare Durchsage, danach entweder von anderen Passagieren oder in Einzelgesprächen mit Lufthansa-Repräsentanten bzw. Hotelpersonal.
Echte zwischenmenschliche Kommunikation schätze ich schon, aber für Gewissheit und kürzere Wartezeiten bzw. Schlangen bin ich bereit, weit mehr Infos über SMS oder Email zu empfangen:
- “Ihr Flug LH459 SFO-MUC 15Apr 21:00 wurde leider annulliert! Bitte zum Check-In-Schalter gehen und für Hotelübernachtung eintragen lassen. Ihr bereits eingechecktes Gepäck können Sie unten eine Etage tiefer abholen.”
- “Lufthansa übernimmt die Kosten für die erste Übernachtung, das Mittagessen heute abend und das Frühstück morgen früh.”
- “Ein Shuttle von dem jeweiligen Hotel holt Sie vor dem Flughafeneingang zum Hotel ab. Bitte stellen Sie sich auf etwas Warten ein, da der Shuttle wegen der vielen Passagiere mehrmals fahren muss.”
- “Wir verstehen, dass Sie wissen wollen, wann Sie wieder nach München fliegen können. Leider können wir dies noch nicht sagen, da wir es nicht wissen. Wir halten Sie jedoch über SMS auf dem Laufenden.”
- “Leider konnte der LH458 von MUC nach SFO auch nicht starten. Deshalb kommt es wahrscheinlich zu längeren Wartezeiten.”
- “Der morgige LH459-Flug SFO-MUC 16Apr ist leider ausgebucht, wenn er überhaupt starten kann. Deshalb sind Sie für morgen nur auf der Warteliste. Obwohl Sie Senator-Mitglied sind, ist der erste platzmäßig verfügbare Rückflug für Sie erst am Montag 19Apr (natürlich unter Vulkanvorbehalt). Bis dahin sind Sie auf der Warteliste. Sollte ein Platz frei werden, melden wir uns rechtzeitig über SMS.”
-
“Bei der Lufthansa sind wir zwar weder Geologen och Meteorologen, haben aber einige für Sie möglicherweise interessanten Informationen hier zusammengestellt: http://www.lufthansa.de/eyjafjalla” [Bilder, Texte, Links zu Wikipedia usw.]
- “Wenn Sie sich zur jetzigen Lage über Twitter informieren wollen, beachten Sie folgendes: * Wie immer hören wir besonders zu, wenn Sie mit #lufthansa oder an @lufthansa_de twittern; * In Twitter hat sich #ashtag als Tag bewährt; Unter Facebook haben wir die feste Seite Facebook.com/Lufthansa_Vulkanasche angelegt”
- “Auch der heutige Flug LH459 SFO-MUC 16Apr 21:00, auf dem Sie auf der Warteliste waren, wurde leider annulliert. Sie sind nach wie vor auf der Warteliste für die nachfolgenden Tage und auf dem Flug Montag 19Apr gebucht. Wir bedauern die Umstände.”
![]() Vorher beim Vortrag über MySQL (Foto: James Duncan Davidson) |
![]() Nachher am SFO (Selbstbildnis mit Nokia E72) |
Statt den obigen fiktiven SMS-Mitteilungen (gut, die weniger dringenden hätten auch über Email gesendet werden können) habe ich
- trotz mehreren Versuchen wegen (verständlicher) Überlastung keine Antwort über der am Schalter gegebenen amerikanischen 800-Nummer bekommen
- erst nach vielen Versuchen auf der +49 1803-Senator-Nummer eine Antwort bekommen
- die Senator-Nummer-Frau freundlich gefragt, worauf ich mich einstellen soll, aber erstmal keine vernünftige Antwort bekommen, sondern habe lange Punkt 6 oben herausfischen müssen
- mich von derselbigen Senator-Nummer-Frau belehren müssen, was “gestern” und was “heute” ist, obwohl Ihr selbst die Begriffe im Netz auf der Seite http://www.lufthansa.com/online/portal/lh/de/info_and_services/flightinfo/arrivals_departures/ anders verwendet
- mich geärgert, weil dieselbe Senator-Nummer-Frau meine Frage nach dem Vorrang der Passagiere ihrem Tonfall nach für überflüssig oder einfältig gehalten hat (mir war es nicht selbstverständlich, dass die nicht beförderten Pechvogelpassagiere, die schon x-mal 24 Std. in SFO gewartet haben, keinen Vorrang über die Duselpassagiere haben, die zufälligerweise den ersten stattfindenden Nach-Eyjafjalla-Flug gebucht haben)
- im Hotel Sofitel (danke nochmals für die Übernachtung!) plötzlich einen Anruf von der Rezeption bekommen, ob ich für soundso viele Dollar das Zimmer für noch einen Tag behalten möchte, ohne Zusatzinformationen von Euch erhalten zu haben
Ich habe es schon zweimal gesagt und ich sage es nochmal: Es ist nicht Euer Vulkan. Insgesamt bin ich mit Euch bei der Lufthansa sehr zufrieden. Darüber hinaus bedaure ich Eure finanziellen Schäden, die Ihr selbst keineswegs verursacht habt. Es tut mir Leid.
Aber ein bisschen frequentere, ausführlichere und gezieltere Informationen würden guttun. Ich glaube dies würde nicht nur meine Nerven schonen, sondern auch Eure eigenen Kosten sparen!
Mit freundlichen Grüßen,
Kaj Arnö, Lufthansa Senator-Mitglied
P.S. Falls Ihr Schwedisch liest, gibt es hier einen Bericht darüber, wie ich meine Situation empfinde (allgemein, nicht Lufthansabezogen): http://blogs.arno.fi/fib/2010/04/16/i-vantans-tider-lh459-aska/



Der Grund hat mit meinem Interesse für andere Länder, Kulturen und Sprachen zu tun. Durch meine Arbeit habe ich