Saturday, 11 of September of 2010

Archives from month » March, 2009

Laufende Bilanz 2008: 1382 km in 123 Std. (11,2 km/h)

Das Jahr 2008 ist zu Ende gelaufen. Und was das Laufen betrifft, war es mein erfolgreichstes Jahr je:

  • Ich habe einen neuen persönlichen Marathonrekord mit 3:55:22 in Finnland 16.8.2008
  • Ich habe einen neuen persönlichen Halbmarathonrekord mit 1:45:58 in München 29.6.2008
  • Ich bin insgesamt 1382 km gelaufen (plus 10 %)
  • Ich bin insgesamt 120 mal gelaufen (fast jeden dritten Tag)
  • Ich bin jeden einzigen Monat über 100 km gelaufen
  • Meine Durchschnittsgeschwindigkeit habe ich von 10,8 km/h auf 11,2 km/h erhöht (plus 4 %)
  • Ich bin über fünf Tage meines Lebens 2008 gelaufen (123 Std. 4 Min. 8 Sek.), also 0,95 % des ganzen Jahres
  • Ich bin 82 mal um die Isarwehr in München gelaufen, 13 mal um Sellmo in Nagu (Finnland) und 21 mal sonst wo

    Monat      km                   Zeit  km/h       min/km  St
 1  Januar     108 km   108 km   9:43:23  11,2 km/h  5:22,8  10
 2  Februar    107 km   215 km   9:32:04  11,2 km/h  5:21,6   9
 3  März       107 km   322 km   9:27:59  11,3 km/h  5:19,8  12
 4  April      118 km   440 km  10:30:18  11,2 km/h  5:20,0  12
 5  Mai        115 km   555 km  10:20:15  11,1 km/h  5:24,1  10
 6  Juni       139 km   694 km  12:12:30  11,4 km/h  5:16,0  11
 7  Juli       129 km   823 km  11:15:16  11,5 km/h  5:13,1  11
 8  August     113 km   936 km  10:17:29  10,9 km/h  5:29,1   7
 9  September  117 km 1 053 km  10:40:17  11,0 km/h  5:28,3  10
10  Oktober    116 km 1 169 km  10:11:38  11,4 km/h  5:16,3  10
11  November   107 km 1 276 km   9:13:23  11,6 km/h  5:11,1   9
12  Dezember   107 km 1 382 km   9:39:36  11,0 km/h  5:25,8   9

2008         1 382 km              5,1 d  11,2 km/h  5:20,5 120

Blau = 2007, Grün = 2008: Durchgehend über 100 km/Monat!

Wenn das so weitergeht muss ich mich bald als Ex-Sportmuffel bezeichnen!


Wunschliste 2.0, mit PhotoShop

Unnötiges Eigentum ist eine Belastung. Zumindest für mich. Und die Weihnachtszeit ist in dieser Hinsicht sehr gefährlich. Also wollte ich es meinen Kindern deutlich und leicht machen, dass ich mir von denen Neoprenhandschuhe wünsche, damit die Saison zum Kanufahren etwas länger wird.

Also los: Die Hand einscannen, mit Extract in Photoshop den Hintergrund weiß machen, den Wunsch als Text hinzufügen und in Naturgröße auf DIN A4 ausdrucken. Mal sehen was der Weihnachtsmann bringt!


Fandorin auf Russisch lesen? Dauert ja ewig!

Ich lese gerne. Vor allem lese ich gerne auf Schwedisch und Deutsch, da diese Sprachen mir nahe sind und Abwechslung vom ständigen Englischen bieten. Besondere Erholung bekomme ich von Krimis: Henning Mankell, Jan Guillou, Staffan Bruun, Wolf Haas, Robert Hültner.

Ich bevorzuge, in der Originalsprache zu lesen, weil authentischer und näher. Das bedeutet, dass ich selten englischsprachige und nie finnischsprachige Romanen lese. Da ich mit diesen Kulturen doch anderweitig aus meiner Sicht ausreichend in Kontakt gerate, kümmert mich dies eher wenig.

Problematischer wird es dann mit interessanten Krimiautoren, die in einer Sprache schreiben, die ich kaum oder gar nicht lese: Der Isländer Arnaldur Indriðason und der Russe Boris Akunin. Da muss ich dann eine Übersetzung wählen (für Indriðason normalerweise ins Schwedische, für Akunin bisher immer ins Deutsche).


Die Buchhandlung in Moskau, wo ich Азазель gekauft habe.

Von isländischen Freunden in Finnland hatte ich mal ein Arnaldur-Indriðason-Buch in der Originalfassung geliehen. Mit Fantasie konnte ich einiges erahnen. Als ich das isländische Original neben der schwedischen Übersetzung hatte, ging es viel besser.

Das Rezept probiere ich jetzt mit Азазель, den ersten Erast Fandorin-Roman, der im Deutschen einfach als “Fandorin” bekannt ist.

Es geht jedoch beschwerlich langsam. Schon alleine die Buchstaben! Das kyrillische Alphabet vermindert meine Lesegeschwindigkeit auf die eines Sechsjährigen. Und das Nachschlagen: Nicht nur, dass die Buchstaben anders aussehen — die kommen ja auch in eine andere Reihenfolge.

Diese Hindernisse haben für mich bisher bedeutet, dass ich es nie ernst genommen habe, ordentlich Russisch zu lernen. Mal sehen ob ich es jetzt anders tun werde. Fandorin oben auf Deutsch, Азазель unten auf Russisch, und dann nichts wie los. Ohne Wörterbuch.

Wenn die Ambitionen gering genug sind, komme ich tatsächlich dazu, was zu lernen. Immer wieder kommen es zu Wörtern, die ich verstehe: “ah! барышня muss Fräulein sein”. Von der Ergonomie her lässt das Zwei-Bücher-Lesen doch einiges zu wünschen übrig.


Das Zwei-Bücher-gleichzeitig-Lesen: Oben Fandorin, unten Азазель.


Der Saunabesuch: Eine russische Banja ist nichts für Weicheier

Gestern war ich in der Sauna in Moskau. Nicht das alle Russen Saunabegeistert wären, aber Kostja und Alik sind es. Ich war bereits einmal mit ihnen in einer russischen Banja (Баня) und jetzt haben sie mir versprochen, mich zur nächsten Stufe zu bringen. Und ihr Versprechen haben sie wahrlich eingelöst.

Russische Saunagänger haben gewisse Gemeinsamkeiten mit dem Küken Calimero.

Kostja hatte diesmal Селезнёвские бани gewählt, also die Selesnevski-Bäder in der historisch interessanten Селезнёвская-Straße (namentlich nach einem reichen Hausbesitzer Anfang des 19. Jh.). Der Plural ist deshalb notwendig, weil Mann und Frau getrennt baden, und da beide Geschlechter jeweils auch noch erste und zweite Klasse haben. Wir wählten die zweite Klasse für Männer und zahlten somit 750 Rubel (gut 20 Euro) für drei Stunden.

Ich hatte gewissenhaft meine Uhr und sonstige Wertgegenstände im Hotelzimmer liegen lassen (Lesnaja ist im gehbar entfernten Umkreis), damit ich keinen Grund haben sollte, beunruhigt zu sein, als ich die Kleidung in einer offenen Umkleidekabine ließ. Ist ja nicht gerade das Münchner Westbad. Gut, es gab einen anwesenden Verantwortlichen (Банщик, banschtschik), aber man fühlt sich doch wohler, wenn nicht alles Wertvolle allzu leicht entwendbar ist.

С лёгким паром d.h. “Milder Dampf auf dich!” lautet die russische Saunabegrüßung. Durch den großen Waschraum gingen wir in die Sauna, wo man gerade frischen Dampf vorbereitet hatte. Wir hatten Badelatschen an sowie erbärmlich alberne Filzhüte (войлочная шапка), die uns eine große Ähnlichkeit mit dem Küken Calimero verliehen.

Die Saunatemperatur war jedoch nichts für Küken, außer vielleicht lebend zu bratende Hendl. Der Ofen war etwa so groß wie eine normale Sauna in Finnland oder Deutschland. Im Gegensatz zu Finnland, aber ähnlich wie in Deutschland, gab es einen Bademeister, der heiße Luft auf die Badenden wedelte. Hierbei erfolgte das Herumwuchteln nicht mittels eines Handtuches, sondern mit einem übergroßen Pizzaspaten. Applaus gab es nach getaner Arbeit genauso wie im Dantebad oder im Westbad zu Hause in München.

Danach wurden wir Kvass und Tee serviert. Lecker! Entspannend. Ruhig.

Aber ein Saunagang reicht nicht aus. Jetzt ging es auf russischer Manier los, mit dem auf Schwedisch als “bastukvast” bezeichneten ast-artigen Besen (hat also abgetrocknete Blätter und nicht bloß harte Äste). Die Russen nennen das Tortur/Wollust-Instrument Vjenik (Веник). Der Vjenik wurde in für mich gewohnter Art eingesetzt; die Behandlung hätte einen Deutschen jedoch sicherlich überrascht. Zur Veranschaulichung: Es geht hier um ein etwa 80 cm lange, 40 cm breite, zusammengeknotete Sammlung von Zweigen, welche in Finnland normalerweise aus Birke (Береза), in Russland öfter aus Eiche (Дуб) gebastelt werden.

Kostja bat mich bäuchlings niederzuliegen und gab mir eine Behandlung, die ich vorher nur einmal erlebt hatte (in Baku, von einem Azerbajdjaner). Die Haut mit dem Vjenik nass machen. Heiße Luft mit dem Vjenik auf die Haut wedeln. Die Haut mit dem Vjenik schlagen. Hart zuschlagen. Härter zuschlagen. Lange zuschlagen. Dann umdrehen und die Behandlung auf der Vorderseite wiederholen.

Die Behandlung trägt den Namen parit (парить), ein Wort mit mehreren Bedeutungen: Dampf, Mogelei, seelische Entspannung. Ich kann alle drei Bedeutungen nachvollziehen.

Nach drei Saunagängen und den dazwischen vorkommenden totalen Lüftungen der Sauna sowie dem jeweils dazu gehörigen Zuschuss von taufrischem Dampf waren wir fertig. Und auch erledigt. Das war der gründlichste Saunagang meines Lebens.

Und ich kann ein Besuch in einer russischen Banja warm (um nicht zu sagen heiß) empfehlen, und zwar für alle Russland-Besucher. Sprachschwierigkeiten und geringfügige Unterschiede in Saunagebräuche führen jedoch dazu, dass man besser mit einem sachkundigen Russen hingehen möchte.

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